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Schreiber, Walter, Albert, Ilse und Hans

Biografie von Walter, Albert, Ilse und Hans Schreiber

Geschwister Walter, Albert, Ilse und Hans Schreiber – Beethovenstr. 16
Die Geschwister Schreiber stammen aus den jüdischen Bankiers-Familien Sieskind und Schreiber ab. Beide Familien führten das 1815 von der Familie Plaut gegründete und seit 1852 in Leipzig ansässige Bankhaus „H.C. Plaut“. Sie waren die vier Kinder von Amalia (geb. Sieskind, 1863-1920) und Georg Schreiber (1854-1912).
Walter (*6.7.1885 in Breslau), Albert (*20.11.1886 in Leipzig), Ilse (*28.8.1990 in Leipzig) und Hans (*9.11.1895) waren somit auch die Nichte bzw. Neffen von Dr. Jakob Sieskind aus der benachbarten Wächterstraße 15 (siehe Stolperstein). Die „Villa Schreiber“ in der Beethovenstr. 16 wurde 1891/92 für die Familie gebaut und stellt heute ein bedeutendes Baudenkmal aus der „Gründerzeit“ in Leipzig dar. Die Bank finanzierte in der Zeit des „Gründerbooms“ neue Eisenbahnen, förderte die Entwicklung der osteuropäischen Wirtschaft (Leipziger Messe) und trug wesentlich zum Ruf Leipzigs als Welthandelsplatz für die Rauchwarenindustrie bei. Über die „Jacob-Plaut-Stiftung“ engagierten sich die Familien konfessionsübergreifend für soziale Zwecke.
Nach dem Tod des Vaters Georg Schreiber im Jahr 1912 führten an der Seite von Dr. Jakob Sieskind seine Söhne die Bank weiter. Walter Schreiber war zudem promovierter Jurist. Ilse Schreiber heiratete im August 1919 den Berliner Bankier Siegfried Simonson (1880-1944) und ging mit ihm nach Berlin.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde das jüdische Bankhaus 1933 liquidiert. Die drei Brüder wohnten bis zur Zwangsversteigerung im Jahr 1935 in der Villa und bezogen nun eine Wohnung in der Grassistr. 36.
Hans Schreiber konnte sich Ende 1938 in die Schweiz retten, nachdem er nach einem vorübergehenden Besuch nicht wieder zurückkam.
Als in dieser Zeit die Novemberpogrome gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland tobten, wurden Walter und Albert Schreiber verhaftet und kamen für ca. einen Monat in das KZ Buchenwald. Im Oktober 1939 wurden sie im Rahmen einer neuerlichen „Sonderaktion“ erneut verhaftet und blieben für 5 Wochen in polizeilicher Haft.
Von Krankheit gezeichnet ging Dr. Walter Schreiber (54 Jahre) Ende Mai 1940 nach Berlin, wo er drei Wochen später, am 22.6.1940, starb.
Albert Schreiber wurde im März 1943 nach Theresienstadt deportiert und am 1.10.1944 weiter nach Auschwitz. Im Alter von 57 Jahren wurde er ermordet.
Im Rahmen der Berliner „Fabrik-Aktion“ wurde Schwester Ilse mit ihrem Ehemann am 17.3.1943 nach Theresienstadt deportiert. Am 6.10.1944 kam Ilse Simonson (54 Jahre) auf einen Transport nach Auschwitz.

Recherchen und Patenschaft: Sylvia Kolbe

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