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Munz, Frida

Biografie von Frida Munz

Frida Munz (1906 bis 1940)

geb. am am 13.2.1906 als Tochter von Emilie Munz, geb. Österle und Johann Munz in Backnang. Frida wuchs in einer achtköpfigen Familie in der Eugen-Adolff- Straße auf.

Später wohnte die Familie in der Hügelstraße 34. Frida hatte fünf Geschwister: die Brüder Eugen, Emil, Albert und Alfred, der schon mit sechs Monaten verstarb, sowie die Schwester Maria (1904 bis 1996). Ihr nur ein Jahr jüngerer Bruder Emil starb siebzehnjährig an den Folgen eines Unfalls: er war unter das eigene Kutschfahrwerk gekommen. Ihr Bruder Albert arbeitete bis 1956 als hoch angesehener Monteur bei der Backnanger Firma Kaelble. Er war dem Geschäftsführer der Firma freundschaftlich verbunden.

Von einem guten Familienklima in der Kindheit und Jugend zeugt ein Eintrag Fridas ins Poesiealbum ihrer zwei Jahre älteren Schwester Maria - in einer gestochen schönen Schrift. Die Schwestern verstanden sich offensichtlich gut: so trugen sie als junge Frauen dieselben geblümten modernen Kleider der Zwanziger Jahre. Ihr Bruder Eugen schickte ihr noch einen Tag vor seiner Auswanderung in die USA im Juli 1922 aus Bremen eine warmherzige Postkarte; sie war zu dieser Zeit in Stellung bei der Familie Eisetter in Stuttgart.

Der Vater arbeitete als selbständiger Kutscher und transportierte Textilballen der Firma Adolff von Backnang nach Stuttgart. Ihre Mutter betrieb – später mit Hilfe ihrer Töchter - die Kantine der Spinnerei Adolff. Die Fülle der Fotografien, die Kleidung, die an Verwandte überlassenen Möbel und die Mitgliedschaft in bürgerlichen Vereinen weisen auf eine gesicherte wirtschaftliche Lage der Familie hin.

Frida war in der Stadt verwurzelt: sie wurde am 25.2.06 in der Stiftskirche getauft, sie besuchte hier die Volksschule, sie feierte am 6.4.19 in der Stiftskirche ihre Konfirmation und war im Alter von 16 Jahren Mitglied des Turnvereins Backnang, einer Sektion der Deutschen Turnerschaft.

Ein schwerer Schlag für die Familie war der frühe Tod der Mutter, die mit ihren Töchtern Frida und Maria die Kantine bei der Fa. Adolff betrieben hatte. Sie war aufgrund der „vielen Arbeit schwer krank geworden“ und verstarb im Alter von nur 47 Jahren im Jahre 1928.

Die Familie mit dem nun an heftigen Gelenkschmerzen leidenden Vater betrieb weiterhin die Adolff -Kantine. Frida Munz wurde nach den Unterlagen im Einwohnermeldeamt Backnang am 8.8.1933 in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten eingeliefert. Diagnose: Epilepsie, einer seit der Antike bekannten Krankheit. Frida Munz litt wahrscheinlich seit dem 18. Lebensjahr an Anfällen.

Wahrscheinlich verrichtete sie in Stetten die Arbeiten, die sie von zu Hause gewohnt war: Küchenarbeit und Menschen bedienen. Sie stickte weiterhin gerne und machte
Handarbeiten. Trotz ihrer fortschreitenden Krankheit blieb sie eine offene und freundliche Person.

Bemerkenswert ist die problemlose Zusammenarbeit des behandelnden Arztes in Backnang, der Anstaltsleitung in Stetten sowie dem Städtischen Fürsorgeamt Backnang, das nach der AOK die Kosten der Heimunterbringung trug. Offensichtlich war man sich sowohl über die Diagnose als auch über die Behandlung einig. Die Diakonissenanstalt Schwäbisch Hall, die ihre Korrespondenz 1939 mit Heil Hitler unterzeichnete, bot der Anstalt Stetten, die Frida Munz zunächst nach Weissenau (Bodensee) verlegen wollte, einen Deal an: sie würden Frida Munz in ihrer geschlossenen Abteilung aufnehmen, wenn im Gegenzug die Anstalt Stetten zwei Buben aufnehme.

Was die Familie wahrscheinlich nicht wusste: Frida war laut Deckblatt ihrer Patientenkartei als „erbkrank“ eingestuft worden: das war ihr Todesurteil. Zur Patientenakte hatten nur Ärzte Zugang.

Der letzte Bericht des Amtsarztes trägt das Datum 17.10 1940. Frida Munz wird bescheinigt: “Epilepsie, 4-5 Anfälle monatlich. Näht und strickt, versorgt sich selbst. Gedächtnis für Verse und frühere Begebenheiten erhalten.“ 16 Tage später wurde sie als „Erbkranke“ ermordet, weil man sie als „lebensunwert“ ansah. Der letzte Eintrag in ihrer Patientenakte: “am 5.11.1940 auf Anordnung des Innenministeriums verlegt“. Dieses Datum ist der vierte Deportationstermin aus der Anstalt Stetten. Die meisten Menschen wurden am eingetragenen Tag mit grauen Bussen nach Grafeneck auf der Schwäbischen Alb gebracht und am selben Tag dort vergast. Zur Tarnung der Verbrechen gaben die Behörden den Angehörigen ein anderes Todesdatum und einen anderen Todesort an.

Ihr Schwager Erwin Hohnecker notiert in einem persönlichen Notizbuch „Gestorben am 21.11.1940 durch Nazi-Hitler in Sonnenstein (ermordet).“

Ihre Urne ist im Familiengrab der Familien Munz- Hohnecker auf dem Stadtfriedhof Backnang bestattet. Im Stein des Gedenkens in der Anstalt Stetten ist auch ihr Name eingemeißelt.

Bernd Hecktor

Patientenakte Frida Munz in der Diakonie Stetten
Kirchenregister Stiftskirche Backnang

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