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Zeiher, Friederike

Biografie von Friederike Zeiher

Friederike Zeiher wurde am 31.1. 1892 als Tochter der Friederike Magdalene Schaber geb. Pfisterer und Jakob Schaber in Durlach/Baden geboren. Die evangelisch orientierte Familie lebte in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen. Der Vater hatte ein eigenes Geschäft: er verkaufte und reparierte Nähmaschinen. Die Familie hatte so ein gesichertes Einkommen.

Friederike lernte ihren späteren Mann Gottlob Friedrich Zeyher in Karlsruhe kennen. Das Paar heiratete am 22.7.1917 in Grunbach. Das Paar zog am 1.11.1920 von Grunbach nach Backnang und wohnte zunächst in der Ludwigstraße 4. Schon wenige Jahre später, am 4.6.1927 konnten sie ein eigenes Haus am Etzwiesenberg 28 beziehen, das bis nach dem Tode von Gottlob Friedrich Zeyher 1969 im Besitz der Familie blieb. 1920 wurde ihr einziges Kind, die Tochter Anna geboren. Friederikes Mann war gelernter Schmied und arbeitete in Backnang als Heizer bei der Firma Lederwerke Backnang, bei der er später auch Betriebsratsvorsitzender war.

Seine Frau Friederike fuhr gerne Fahrrad und besuchte zu Fuß öfter ihren Bruder in Bietigheim, zurück ging es mit der Bahn. Friederike war nach Aussagen ihrer Enkelin Heidrun Reinhardt, die sich auf Informationen von Zeitzeugen stützt, eher im Haus. Sie besorgte Stoffe für Kundinnen und machte für sie Näharbeiten. In der Heilanstalt Winnenthal wurde ihr jedoch vom ärztlichen Leiter der Anstalt, Dr. Gutekunst, attestiert, dass sie zu „keiner Arbeit fähig“ sei. Eine schwere Leidenszeit begann. Immer wieder wurde sie entlassen, immer wieder musste sie in die Anstalt zurück. In der Anstalt erhielt sie regelmäßig Besuch von ihren Angehörigen.

Die Angehörigen erhielten im Juli 1940 eine Sterbeurkunde aus Sonnenstein bei Pirna. Daraus geht hervor, dass sie am 9. Juli 1940 an „Bauchfellentzündung“... in „ihrer eigenen Wohnung“ verstorben sei. Dieser sog. Trostbrief an die Angehörigen war eine übliche Lüge, um ein barbarisches Verbrechen zu verschleiern. In Wirklichkeit wurde sie laut Patientenakte der Heilanstalt Winnenthal am 24.6.1940 „verlegt“. Dies war der Codename für das Verbrechen an 10 564 Menschen, die von zahlreichen Heilanstalten im Jahre 1940 nach Grafeneck gebracht und sofort ermordet wurden. Allein aus Winnenthal waren es 400 Personen. Insgesamt wurden 1940 in Deutschland bei dem sogenannten T4 Programm mehr als 100 000 behinderte Menschen kaltblütig ermordet und damit ihres Lebens, ihres Namens und der Erinnerung an sie beraubt. Am 24.6.1940 wurde Friederike Zeiher mit einem der grauen Busse von Winnenden nach Grafeneck auf der Schwäbischen Alb gebracht und dort mit Giftgas ermordet. Ihr Todesurteil war wahrscheinlich der handschriftliche Eintrag in ihrer Patientenakte „erbkrank“. Diese Einschätzung sowie die Überzeugung der Ärzte, dass sie nicht mehr arbeiten könne machte sie in den Augen der Nationalsozialisten zu einem „lebensunwerten“ Menschen, denen man den „Gnadentod schenken müsse“.

Das Gedenkbuch in Grafeneck gedenkt ihrer als Opfer der industriellen Vernichtung. Ein Erinnerungsort auf dem Friedhof Backnang besteht nicht.

Bernd Hecktor

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