Skip to content

Landgericht

Biography of Adolf Cohen and Hugo Schulhof

Adolf Cohen wurde am 21.11.1897 in Hannover geboren und besuchte dort das humanistische Ratsgymnasium. Er machte 1916 ein Notabitur und wurde danach Soldat im Ersten Weltkrieg. Im Februar des Jahres 1919 nahm er ein Jurastudium in Göttingen auf. Sein Studienabschluss erfolgte im Sommer 1922. Seit September 1922 war er Referendar im Bezirk des Oberlandesgerichts Celle und promovierte erfolgreich über "Die Haftpflicht des Kraftfahrzeughalters." Im Oktober 1922 bestand er die 1. juristische Staatsprüfung. 1926 heiratete er Johanna Passov, die keine Jüdin war. Seit dem 31.1.1927 war er zunächst Gerichtsassessor in Hannover, später in Wennigsen/Deister und schließlich in Osnabrück.
Nach dem Kerrl - Erlass vom 31.3.1933, hatte er offensichtlich seinen Arbeitsplatz nicht mehr betreten dürfen. Der kommissarische Leiter der preußischen Justizverwaltung Hanns Kerrl rief am 31. März 1933 dazu auf, dass jüdische Rechtsanwälte nur in einer Verhältniszahl, die dem Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur sonstigen Bevölkerung entspricht, vor Gericht auftreten sollten. Falls eine solche Regelung nicht erreichbar war, sollten jüdische Rechtsanwälte am Betreten der Gerichtsgebäude gehindert werden.
In einem Bericht des Landesgerichtspräsidenten vom 3.6.1933 wird ihm der Frontkämpferstatus mit folgender Begründung abgesprochen: "Während der Kriegsteilnahme von 1916 bis 1918 hat er seinen Sanitätsdienst geleistet und ist ... auch “Transportkommissar“ in Trier gewesen. Solche Einsätze reichen für eine Ausnahme von der zwingenden Entlassung nicht aus." Der Bericht schließt mit der Rücknahme seiner Berufung an das Amtsgericht in Osnabrück mit sofortiger Wirkung. Zudem wurden gegen Dr. Cohen Denunziationen inszeniert, bis schließlich am 1.10.1933 seine endgültige Entlassung aus dem Justizdienst erfolgte. Weil er auch durch das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7.4.1933 von der Berufsausübung als Rechtsanwalt ausgeschlossen wurde, eröffnete er an der Lohstr.31 ein "Büro Rechts- und Wirtschaftsberatung" und meldete sich mit seiner Familie nach Sutthausen ab. In der Reichspogromnacht wurde er verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt, wo er bis zum 11.1.1939 gelitten hat. Nach seiner Entlassung versuchte er Papiere für eine Emigration in die USA zu bekommen. Am 23.12.1939 wird er in das KZ Sachsenhausen deportiert und dort am 15.4.1942 ermordet.

Quellen: Junk, Peter; Sellmeyer, Martina: Stationen auf dem Weg nach Auschwitz. Bramsche ³2000; Rechtsanwaltskammer Oldenburg (Hg.): Anwalt ohne Recht. Schicksale jüdischer Rechtsanwälte im Bezirk des heutigen Oberlandesgerichts Oldenburg. Oldenburg: Isensee Verlag, 2007; Niedersächsisches Landesarchiv – Standort Osnabrück, Rep 430 Acc 12/54 Nr. 87.

Hugo Schulhof wurde am 07. November 1878 als Sohn des jüdischen Kaufmanns Josef Schulhof und seiner Frau Hannchen, geb. Moses, in Osnabrück geboren. Er besuchte das Ratsgymnasium und legte dort 1896 zusammen mit seinem Bruder Max das Abitur ab. Im Anschluss studierte er Rechtswissenschaften in Leipzig, Berlin und Göttingen. 1899 besteht er das 1. und im Juli 1905 das 2. Staatsexamen. In Göttingen promovierte er 1899 zum Thema "Die Gewährleistung für Rechtsmängel beim Kauf." Er war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg und erhielt das Eiserne Kreuz. Die Anwaltszulassung lässt sich nicht mehr nachweisen, aber im April 1922 wurde Rechtsanwalt Dr. Schulhof zum Notar ernannt. Nachdem er zur evangelischen Konfession konvertiert war, heiratete er am 31. Januar 1928 die Opernsängerin Vlasta Frantiska Marsalkova, geb. im Mai 1896 in Prag. Er arbeitete in einer sehr erfolgreichen Sozietät mit den Rechtsanwälten Thalheim und Sandhaus in der Möserstr. 9b.
Nach der Machtübergabe an die Nazis war das bekannte, inszenierte Muster festzustellen: Durch Dienstaufsichtsbeschwerden wurden jüdische Rechtsanwälte und Notare diskreditiert, die SA zwingt die Bürger zum Boykott und das Betreten des Gerichtes wird verboten. Die Frontkämpfereigenschaft konnte Dr. Hugo Schulhof vor weiteren Schritten nur noch eine kurze Zeit schützen. Das Notaramt wurde ihm am 1. Oktober 1935 vom Präsidenten des Oberlandesgerichts Celle entzogen. Das Ende seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt wurde ihm mit einem Bescheid vom 21. Oktober 1938 angekündigt. Mit Ablauf des 30. Novembers 1938 verlor er die Zulassung. Durch Bescheide des Finanzamtes Osnabrück wurde er gezwungen, 1938 insgesamt 10.000,- RM und 1939 weitere 2.350,- RM zu zahlen und es sollten weitere Zwangsabgaben und Beschlagnahmungen folgen. Zuerst 1938 und dann erneut 1939 wurde er durch die SA in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Vor und nach der Entlassung wurde das Ehepaar von SA-Angehörigen schikaniert und ihre Wohnung häufig durchsucht. Die Gesundheit von Dr. Hugo Schulhof wird durch diese Nöte und Repressalien stark geschädigt. Als Jude war er allerdings von ärztlichen Behandlungen ausgeschlossen worden. Er fand nach langer Suche jedoch zwei Osnabrücker Hausärzte, die eine Behandlung wagten. Sie brachten nach dem Krieg zum Ausdruck, dass die Sorgen, Misshandlungen und Pressionen durch die Nazis seine Gesundheit so sehr schädigten, dass Dr. Schulhof am 13. November 1944 an Herzversagen starb. Seine Frau Vlasta überlebte den Krieg und wohnte bis 1986 in Osnabrück.

Quellen: Rechtsanwaltskammer Oldenburg (Hg.): Anwalt ohne Recht. Schicksale jüdischer Rechtsanwälte im Bezirk des heutigen Oberlandesgerichts Oldenburg. Oldenburg: Isensee Verlag 2007; Junk, Peter; Sellmeyer, Martina: Stationen auf dem Weg nach Auschwitz. Bramsche ³2000.

Media

Photos

Free thanks to your help

This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.

Support

Stolpersteine nearby

All Stolpersteine in Osnabrück

Sources & Imprint

Stadt Osnabrück, Büro für Friedenskultur

Stadt Osnabrück
Fachbereich Kultur
Büro für Friedenskultur
Christine Grewe
Marienstr. 5-6
49074 Osnabrück
Tel. 0541 323-2287
Fax 0541 323-152287
grewe.c@osnabrueck.de
www.osnabrueck.de/friedenskultur
www.facebook.com/buerofuerfriedenskultur