Biography of Emil Dreifuss, Rosa Dreifuss and 3 more
Die Familie Dreifuss - Bruchsaler
Der Viehhändler Emil Dreifuss (*1870) und seine Frau Rosa geb. Günzburger (*1876) zogen mit ihren Kindern Sofie (*1900) und Julius (*1902) noch vor dem Dritten Reich von Nonnenweier nach Kehl und wohnten in der Gewerbestraße 1a (heute Grundstück des CCK).
Der WK 1- Soldat wurde mit männlichen jüdischen Bürger Kehls in der Reichspogromnacht 1938 verhaftet, misshandelt und ins KZ Dachau verschleppt. Erst nach einigen Wochen durfte er wieder zurückkehren. Zu Kriegsbeginn 1939 ist er wie alle Kehler Einwohner evakuiert worden. Aufnahme fand er zusammen mit seiner Frau Rosa in Regensburg. Von dort kehrten sie im Sommer 1939 wieder nach Kehl zurück. Am 22. Oktober 1940 wurden sie wie alle badischen Juden nach Gurs deportiert. Unzureichende Ernährung und unzulängliche hygienische Verhältnisse führten zu schweren Krankheiten. So starb Rosa Dreifuss bereits nach acht Wochen am 20. Dezember 1940. Emil Dreifuss starb am 6. September 1943 an den Folgen der Lagerhaft in einem Hospiz in Paris, nachdem er von einer Gefangenenhilfsorganisation herausgeholt werden konnte.
Sohn Julius Dreifuss lebte noch als Erwachsener mit seinen Eltern und der Familie seiner Schwester hier in der Gewerbestraße 1a. Er war ab 1924 erst Angestellter, später Teilhaber im Kehler Getreide- und Futtermittelunternehmen Michael Kaufmann und Söhne, das 1936 nach dramatischem Geschäftrückgang liquidiert wurde. 1937 gelang Julius Dreifuss die Flucht nach Palästina.
Tochter Sofie heiratete 1922 den aus Diersburg stammenden Kaufmann Julius Bruchsaler, der 1932 verstarb. Sie zog mit ihrem inzwischen 9-jährigen Sohn Harry Siegfried, der 1923 geboren wurde, zu ihren Eltern nach Kehl. Am 22. Oktober 1940 wurde sie zusammen mit ihren Eltern nach Gurs verschleppt, dann am 10. August 1942 über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie nach ihrer Ankunft ermordet.
Ihr Sohn Harry Siegfried Bruchsaler, geboren am 21. September 1923 in Offenburg, konnte noch im April 1939 über Triest nach Palästina fliehen. Er hatte hier in Kehl die Volksschule besucht und sich anschließend einige Monate in einer Anlernwerkstatt für handwerkliche Berufe in der israelitischen Gemeinde in Hamburg auf sein künftiges Leben als Metallarbeiter in Israel vorbereitet. Dort sah er auf seinen Onkel Julius wieder. Harry Bruchsaler, der sich heute Arie (hebr. Löwe) nennt, gründete 1945 eine Familie mit der Berlinerin Sara geb. Weißkohl. Sie leben bis heute bei Tel Aviv. Bis Ende des Jahres 2019 haben somit Rosa und Emil Dreifuss über 30 Nachkommen.
Media
Photos
Free thanks to your help
This biography is free to read. If you like the Stolpersteine Guide, we would be glad of a small contribution.
Thanks to Martin Schreyer, Claudia Körner, Anett Humboldt, Peter Hein and 6 more.Stolpersteine nearby
Naumburger Richard50 m
Lazarus Mannheimer70 m
Blank Hermann80 m
Fritz Wertheimer90 m
Emmy Marx150 m
Cheit Elsa200 m
Sources & Imprint
Arbeitskreis 27. Januar