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Kinzigstr. 33: Richard Naumburger

Biography of Naumburger Richard

Richard Naumburger wird 1882 in Fürth als
Sohn des wohlhabenden Fabrikanten Max
Meir Naumburger und seiner Frau Fran-
ziska geb. Löb geboren. Nach kaufmänni-
scher Lehre eröffnet er mit seinem Bruder
ein „Spezialhaus für Automobilbedarf“ in
Regensburg, das bald 400 Beschäftigte
hat. Im 1. Weltkrieg dient er als Leutnant d.
R. an der Front und wird mit dem Eisernen
Kreuz II. ausgezeichnet.
1930 heiratet er die Christin Elfriede Lang-
esee, 1931 kommt Tochter Ilse zur Welt.
Bereits kurz nach der Machtübernahme
1933 verliert Richard Naumburger seine
wirtschaftliche Existenz, er zieht mit Frau
und Tochter 1935 nach Kehl, um durch die
Arbeit bei einem Straßburger Eisenunternehmen den Lebensunterhalt
für seine Familie zu sichern. Sie wohnen in der Kinzigstraße 33.
Im Oktober 1938 muss er den Namenszusatz „Israel“ annehmen, gleich-
zeitig entziehen die deutschen Behörden ihm den Grenzschein, so dass
er keine Einkünfte mehr hat und die Familie in finanzielle Not gerät. An-
gesichts dieser Lage entscheiden sie sich zur Flucht. Richard Naumbur-
ger gelingt im August 1938 die Flucht nach Straßburg, Frau und Tochter
sollen bis Weihnachten nachkommen, was nicht gelingt, da ihnen die
französischen Behörden das Einreisevisum versagen. Richard Naumbur-
ger erhält keine Aufenthaltsgenehmigung im Elsass und reist weiter nach
Amiens (Département Somme), wo er einen Flüchtlingsausweis erhält.
Mit Beginn des 2. Weltkrieges im September 1939 muss er sich als „feind-
licher Ausländer“ in ein Internierungslager begeben.
Seine Frau Franziska verlässt mit ihrer Tochter Ilse mittellos bei der 1.
Evakuierung Kehl und begibt sich nach Donauwörth zu Verwandten
und reicht von dort die Scheidung ein, da sie hofft, dass ihr durch die
Scheidung das Armenrecht zugebilligt wird und sie Fürsorgeaufwen-
dungen erhält. Mit dem Beginn der sogenannten „Westoffensive“ und
den Kampfhandlungen beginnt für Richard Naumburger eine Odyssee
durch die französischen Internierungslager Camp de Lisieux und Camp
de Dampierre in der Normandie, Camp de Labastide-Dénot und Camp
Saint Antoine bei Albi, Camp de Concentration de Saint-Cyprien bei Per-
pignan und schließlich im Oktober 1940 Gurs (Pyrenäen), wo er auch die
22 Kehler Mitbürger trifft, die mit weiteren 6 538 jüdischen Deutschen aus
Baden und der Saarpfalz am 22. Oktober 1940 hierher deportiert wur-
den. Im Februar 1941 wird Richard Naumburger in das Lager Récébédou
bei Toulouse verlegt, dann im Juli 1941 nach Septfonds (Département
Tarn-et-Garonne). Von diesem Lager aus wird er am 24. August 1942 mit
weiteren 84 Juden nach Drancy verfrachtet, vier Tage später mit dem
Transportzug Nr. 25 und mit über 1000 Leidensgenossen nach Auschwitz
deportiert und dort am 31. August 1942 ermordet.

Inschrift:
HIER WOHNTE
RICHARD NAUMBURGER
JG. 1882
FLUCHT 1938
FRANKREICH
INTERNIERT 1942
SEPTFONDS
DEPORTIERT 28.8.1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

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