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Kinzigstraße 20: Regina und Lazarus Mannheimer

Biography of Lazarus and Regina Mannheimer

Kinzigstraße 20: Regina und Lazarus Mannheimer

Lazarus Mannheimer wurde am 1886 in Eberbach am Neckar geboren. In der Zeit von 1907 bis 1912 war er Unterlehrer in Bodersweier. Hier lernte er seine Frau Regina Bensinger kennen. Sie war 1889 in Bodersweier geboren und war die Tochter des Mehlhändlers und Synagogenvorstehers Karl Bensinger und seiner Ehefrau Ida geb. Stern. Mehrere Geschwister waren hier und an anderen Orten erfolgreich im Eisenhandel tätig.
Am 29. Juli 1912 heirateten Regina und Lazarus in Bodersweier. Im gleichen Jahr begann der Ehemann seine sehr erfolgreiche Lehrer-Tätigkeit in Kehl. Er unterrichtete zunächst an der Wilhelmschule und dann an der Falkenhausenschule. 1925 wurde er Mitglied des Bürgerausschusses, 1930 trat er der Deutschen Staatspartei bei. Die Mannheimers bewohnten ursprünglich eine städtische Dienstwohnung. Ihre Ehe blieb kinderlos.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 änderte sich alles. Vom 1. bis 8. April 1933 kam Lazarus Mannheimer im Kehler Gefängnis in „Schutzhaft“. Auf Grund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (§3 – „Arierparagrah“) verlor er seine berufliche Existenz als Lehrer und sein Amt im Bürgerausschuss.
Nach der Reichspogromnacht, d. h. am frühen Morgen des 10. November 1938, wurde Lazarus Mannheimer wie die anderen jüdischen Männer verhaftet und nach schweren Demütigungen und Misshandlungen zum KZ Dachau deportiert und dort für einige Wochen inhaftiert.
Lazarus und Regina Mannheimer zogen in der zweiten Hälfte des Jahres 1939 nach Karlsruhe, wo der Ehemann eine Anstellung in der jüdischen Schule erhielt. Am 22. Oktober 1940 wurden Mannheimers in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert.
Nach Aufenthalten in anderen französischen Internierungslagern wurde das Ehepaar am 7. August 1942 nach Auschwitz deportiert und vermutlich hier gleich nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet.
Der letzte Wohnsitz der Mannheimers in Kehl war das Haus der Israelitischen Kultusgemeinde Kehl in der Kinzigstraße 20. Der Ehemann leitete den Jüdischen Zentralverein Kehl, gehörte dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde an und war Kantor.
Die Israelitische Gemeinde in Kehl war erst im Jahre 1881 gegründet worden, da sich erst ab 1862 Juden in Kehl niederlassen durften. Dies war das Jahr der bürgerlichen Gleichstellung der badischen Juden mit dem Recht auf Freizügigkeit, Niederlassungsfreiheit und dem Wahlrecht.
Nachdem 1871 das Elsass und Moselle mit der Hauptstadt Straßburg deutsches Reichsland geworden waren, übte Kehl als Handelsplatz auf die Juden der umliegenden hanauischen Dörfer eine besondere Anziehungskraft aus und etliche aus Bodersweier, Rheinbischofsheim, Freistett und Lichtenau verlegten ihren Wohnsitz nach Kehl. 1882 entstand eine Religionsschule, 1889 erfolgte der Bau einer Synagoge. 1924 wurde auf dem Kehler Friedhof eine israelitische Abteilung angelegt. Die jüdischen Bürger gelangten zu bescheidenem Wohlstand und nahmen rege am öffentlichen Leben teil.
Ab 1933 traf die antisemitische Politik der Nationalsozialisten auch die Kehler Mitbürger jüdischen Glaubens mit dem massiven Boykott der jüdischen Geschäfte und einer Bücherverbrennung unter Beteiligung der Hitler-Jugend. Jüdische Männer wurden für einige Tage in „Schutzhaft“ genommen. Ein weiterer Tiefpunkt war die Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938. Am 22. Oktober 1940 hörte die israelitische Gemeinde endgültig auf zu bestehen, als alle anwesenden Juden zum Internierungslager Gurs in den Pyrenäen deportiert wurden.
47 Jüdinnen und Juden, die in Kehl geboren wurden oder längere Zeit hier wohnten, verloren durch die nationalsozialistische Verfolgung ihr Leben, 15 konnten im Ausland überleben.
Die Synagoge, in der Lazarus Mannheimer als Kantor tätig war, befand sich an der Kreuzung Schul- und Kasernenstraße. Sie wurde nach der Pogromnacht von einer Gruppe aus Gestapo- und SS-Männern verwüstet. 1939 erwarb die Stadt Kehl das Grundstück, das Gotteshaus wurde 1941 abgerissen.
An der Friedenskirche, nur wenige Gehminuten von der einstigen Synagoge entfernt, wurde 1983 eine Gedenktafel enthüllt. An der gleichen Stelle erinnert seit 2015 ein Gedenkstein an die Deportation am 22. Oktober 1940 nach Gurs. Er ist ein Beitrag zum Ökumenischen Mahnmalprojekt der evangelischen und katholischen Jugend Badens.

Familien von Geschwistern: Kinzigstraße 21 - Spießgasse 9 – Hauptstraße 169
Falkenhausenschule

Quellen: Karlsruher Gedenkbuch - Arbeitskreis 27. Januar Kehl

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Arbeitskreis 27. Januar