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Cramer, Walter

Biography of Walter Cramer

Gustav-Mahler-Str. 1-3 (Zugang Gesundheitsamt)
Walter Cramer

Walter Cramer wurde am 1. Mai 1886 in Leipzig geboren. Er legte an der Thomasschule sein Abitur ab und ging zur Ausbildung in einen Textilbetrieb im englischen Bradford. Bereits mit 21 Jahren wurde er Mitinhaber und Prokurist in der Kammgarnspinnerei Gautzsch AG Markkleeberg. 1910 heiratete er Charlotte Weber. Nach dem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg wurde Walter Cramer zum Geschäftsführer der Kammgarnspinnerei Gautzsch AG berufen. Von 1920 bis 1930 war er Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). In die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. KG in Leipzig-Plagwitz stieg er 1923 als Vorstandsmitglied ein und leitete die Fusion mit der Gautzsch AG fünf Jahre später. Damit gehörte die Leipziger Kammgarnspinnerei europaweit zu den größten und bedeutendsten Werken seiner Art.
Nach Hitlers Machtergreifung 1933 hatte er sich, mit einer immer stärker werdenden Einflussnahme der Nationalsozialisten auf Firmenentscheidungen auseinanderzusetzen. Dazu kam, dass Mitglieder der Firmenleitung Mitglieder der NSDAP waren und ihn bedrängten, der Partei beizutreten. Spätestens seit dem sogenannten "Röhm-Putsch" 1934 war seine Ablehnung gegenüber dem Nationalsozialismus ein offenes Geheimnis. So verweigerte er u.a. den Hitler-Gruß und verwendete im Schriftverkehr neutrale Grußformeln. Die Entlassung jüdischer Mitarbeiter versuchte Cramer so lang wie möglich hinauszuzögern. Fassungslosigkeit ergriff ihn, als er vom Euthanasieprogramm der Nazis erfuhr.
Mit dem Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler (bis 1937) verband ihn seit 1930 eine Freundschaft, die im Laufe der Jahre immer enger wurde. Der Tod seines im Krieg dienenden Sohnes 1941 verstärkte Cramers Entschlossenheit. Er unterstütze den Widerstand um Goerdeler mit seinen vielfältigen Kontakten ins In- und Ausland. Er hielt in dieser Gruppe die Verbindung zwischen Leipzig und Berlin aufrecht. Mannigfaltig waren seine Kontakte zur militärischen Opposition gegen Hitler und er knüpfte Verbindungen zu Zivilisten. Seine Geschäftsreisen ins Ausland, besonders in die Schweiz, nutzte er, um sich mit Vertretern der Alliierten zu treffen.
Nach einem gelungenen Umsturz sollte Cramer auf Drängen Goerdelers die Funktion des politischen Beauftragten im Wehrkreis IV (Sachsen) übernehmen, was der Verantwortung eines Ministerpräsidenten entsprach.
Cramer war in den Attentatsplan vom 20. Juli 1944 involviert und er stand auf der Liste des zu bildenden "Schattenkabinetts". Bereits am 22. Juli wurde er von der Gestapo verhaftet. Am 14. November 1944 wurde er zum Tode verurteilt und unmittelbar nach der Urteilsverkündung in Berlin Plötzensee hingerichtet.
Walter Cramer war 58 Jahre alt.

Quelle: Conrad Leopold Cramer: Ein Stolperstein für Walter Cramer (1886-1944) - Thomasschüler, Leipziger Unternehmer, Mitglied des Widerstandskreises um Carl Goerdeler.
(Besondere Lernleistung im Fach Geschichte an der Thomasschule Leipzig)
Patenschaft: Dr. Beatrix Heintze (Enkelin)

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