Biografie von Adolf, Berta und Erich Friedmann
Das »Menzerhaus« gehörte bis 1934 der jüdischen Familie Friedmann, die von den Nazis in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde.
In Friedmanns Gebäude in der Kaiserstraße 27 haben viele Männer bis vor wenigen Jahren beim »Menzer« ihre Bekleidung gekauft.
Was viele von ihnen wohl nicht wussten: Das Gebäude gehörte einst der jüdischen Familie Friedmann.
Adolf Friedmann kam am 7. April 1872 in Eydtkuhnen (Ostpreußen) als Sohn von Rudolf Friedmann und dessen Ehefrau Dora geb. Goldberg zur Welt.
Seine Frau Bertha wurde am 15. November 1876 in Ellwangen als Tochter von Emanuel Weinberger und dessen Ehefrau Pauline geb. Hauser geboren. Die beiden heirateten am 19. Februar 1900 in Bertas Geburtsort Ellwangen.
Drei Kinder wurden dem Ehepaar geschenkt.
Tochter Betty wurde am 9. Dezember 1900 geboren. Sie heiratete 1922 nach Saarlouis. Tochter Gertrud kam 1903 zur Welt. Sie heiratete 1926 nach Münster und wanderte von dort anschließend nach New York aus.
1904 schließlich kam Sohn Erich zur Welt, der 1934 nach Paris emigrierte.
Die beiden Töchter überlebten den Holocaust, die Eltern und Erich nicht.
Adolf Friedmann betrieb 35 Jahre lang, von 1899 bis zum 23. März 1934, ein Herrenkonfektionsgeschäft in Lahr. Das Geschäft lief gut, ab 1906 erweiterte Friedmann das Angebot auf zwei Etagen im selbst erbauten Haus Kaiserstraße 27, in dem auch seine Ehefrau, der Sohn und zwei Angestellte beschäftigt waren. Durch den Boykott jüdischer Geschäftsleute mussen die Friedmanns erhebliche Umsatzrückgänge in Kauf nehmen, sodass sie sich zur Geschäftsaufgabe gezwungen sahen. Danach lebten die Friedmanns von ihrem nicht unbeträchtlichen Vermögen. So versorgten Dienstboten den Haushalt, und das Ehepaar besaß ein Auto, zur damaligen Zeit nichts Alltägliches.
Immense Zwangsabgaben
1934 folgte der Umzug nach Frankfurt zuerst in die Wolfsgangstraße 83. Zuletzt wohnte das Paar in einer Fünf-Zimmer-Wohnung im Kettenhofweg 72. Laut Steuerbescheid vom 1.Januar 1935 belief sich das Vermögen der Eheleute auf 89.000 Reichsmark, zum 21. Juni 1939 noch auf 38.000 Reichsmark. Zwangsabgaben, zum Beispiel die »Judenvermögensabgabe« (mindestens 25.139 Reichsmark), »Reichsfluchtsteuern« (mindestens 14.847 Reichsmark), die »Auswanderer-Abgabe« (2067 Reichsmark) oder die »Dego-Abgabe« (mindestens 650 Reichsmark), ließen das Vermögen beträchtlich schrumpfen. Das Umzugsgut wurde auf Anweisung der Gestapo versteigert.
Das Ehepaar flüchtete am 16. August 1939 per Flugzeug zu Tochter und Schwiegersohn ins französische Exil nach Paris; als letzter Wohnort ist die Adresse Neuilly-sur-Seine, 3 Rue Ancelle, bekannt. Bei ihrer Flucht durften sie jeweils nur einen Handkoffer und zehn Reichsmark mitnehmen. Die Eheleute waren fortan auf die finanzielle Unterstützung ihrer Töchter angewiesen.
Nach Informationen französischer Behörden wurde Bertha Friedmann von der Pariser Polizeipräfektur verhaftet und in das Rothschild’sche Krankenhaus gebracht. Dort blieb sie bis zum 24. Oktober 1942. Es folgte ein Aufenthalt im Rothschild’schen Altersheim, bevor sie am 11. oder 16. Februar 1943 vom Internierungslager Drancy ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt wurde, wo sie im Alter von 67 Jahren ermordet wurde. Adolf Friedmann war nach diesen Informationen bereits am 11., 13. oder 16. November 1942 im Alter von 70 Jahren ebenfalls von der Pariser Polizeipräfektur verhaftet, in das Rothschild’sche Altersheim gebracht und vom Internierungslager Drancy ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert worden, wo er ebenfalls ermordet wurde.
Erich Friedmann setzte 1934 in Paris seinem Leben ein Ende.
Alle 3 Stolpersteine sollten am 21.5.2014 verlegt werden.
Wegen einer langandauernden Baustelle konnten diese jedoch erst am 20.2.2018 in einer Selbstverlegung ohne Gunter Demnig verlegt werden.
Quelle: Doris Gerteis, Lahr, 04.01.2020, 14.02.2020
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Quellen & Impressum
Stolpersteininitiativen Lahr, Friesenheim, Schuttern, Nonnenweier, Kippenheim
Als kurze Vorabinfo: Grundlagen für die Stolpersteine in Lahr wurden gelegt durch intensive Recherchen und Veröffentlichungen von Hildegard Kattermann. Weiterhin durch intensive Recherchen und Bearbeitung von Gardy Ruder.
Die hier dargestellten Inhalte und Quellenmaterial werden recherchiert, vorbereitet, gesammelt und bereitgestellt durch den Historischen Verein Mitelbaden, Ortsgruppe Geroldsecker Land Projektgruppe Stolpersteine. Intensiv in die Arbeit mit eingebunden sind insbesondere Doris Gerteis, Bertram Bliss sowie durch städtische Unterstützung Elise Voerkel und Thorsten Mietzner vom Stadtarchiv Lahr.
Im Schuljahr 2013/2013 wurde in Zusammenarbeit mit der Schulklasse 10a der Friedrichschule unter Leitung ihrer Lehrerin gemeinsam mit dem Herausgeber Historischer Verein Mittelbaden, Regionalgruppe Geroldsecker Land mit vielen hier Unerwähnten ein kleines Buch als Anfang der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Verfolgung und Ermordung von Lahrer Bürgern während des nazionalsozialistischen Terrorregimes erstellt.
ISBN978-3-89735-865-2.
Aktuell wird an einer erweiterten Neuauflage gearbeitet.
Inzwischen werden hier neben den Stolpersteinen in Lahr auch die der Nachbargemeinden Friesenheim, Schuttern dargestellt und eingepflegt.
Auch die Steine in Schwanau und Kippenheim werden inzwischen mit verortet.
Recht herzlichen Dank für die Zurverfügungstellung der externen Informationen an
- Ekkehard Klem, Friesenheim
- Martin Buttenmüller, Schuttern
- Stolpersteininitiative um Dagmar Frenk sowie Martin Frenk mit Norbert Klein sowie
Pfadfindergruppe Regenbogen, Nonnenweier.
- Jürgen Stude als Vertreter des Fördervereins Ehemalige Synagoge Kippenheim.
Die Stolpersteine in Lahr werden regelmässig in Zusammenarbeit mit Lahrer Schülern gereinigt, seit 2023 führt der Projekttag mit Gruppenarbeit schulübergreifend in die Geschichte ein.
Neben Stolpersteinen sind auch Orte der Erinnerung mit dargestellt, welche im Zusammenhang mit den Stolpersteinen und der Geschichte der Verfolgung relevant sind.
Geschlechts- und Alterszuordnung ist bei Orten der Erinnerung programmbedingt nicht vermeidbar und nicht relevant.
Die Inhalte des Stolpersteine-Guide für Lahr und die oben genannten Umlandgemeinden werden administrativ verwaltet von Bertram Bliss, Fichtestr. 58 in Lahr.
Lahr, den 27.01.2025