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Julius und Ludwig Frank

Biografie von Julius und Ludwig Frank

Das Schick­sal der jü­di­schen Fa­mi­lie Frank

1. Mai 1933
Die Fa­mi­lie Frank leb­te seit 1875 in Li­li­en­thal. In der Haupt­stra­ße 44 be­trieb die Fa­mi­lie bis zur Macht­er­grei­fung der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ein er­folg­rei­ches Fo­to­ge­schäft. Mit dem Jahr 1933 be­gann die sys­te­ma­ti­sche Aus­gren­zung der Fa­mi­lie aus dem ge­sell­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Le­ben in Li­li­en­thal. 1936 muss­ten die Franks ihr Haus in der Haupt­stra­ße weit un­ter Wert ver­kau­fen. Im Juni 1936 floh Ju­li­us Frank Junior nach Ame­ri­ka, we­ni­ge Mo­na­te spä­ter folg­te ihm sei­ne Mut­ter Jo­han­na Frank. Lud­wig Frank, der 1936 be­reits in Bre­men leb­te wur­de in der Reichs­po­grom­nacht ver­haf­tet. Er wur­de im Ge­fäng­nis Bre­men-Os­lebs­hau­sen in­haf­tiert und von dort ins KZ Ora­ni­en­burg de­por­tiert. An­fang Juli 1939 wur­de Lud­wig Frank aus dem KZ Ora­ni­en­burg ent­las­sen und konn­te ge­gen die Zah­lung ei­ner so­ge­nann­ten „Reichs­flucht­steu­er“ nach Eng­land emi­grie­ren. (1)

Seit 2006 er­in­nern zwei Stol­per­stei­ne in der Haupt­stra­ße 44 an das Schick­sal der Fa­mi­lie Frank.

Über drei Generationen hinweg betrieb die Familie ein Fotogeschäft in Lilienthal. Es wurde 1872 von Julius Frank (senior) gegründet und später von seinem Sohn Henry übernommen. Der Firmenname "Fotoatelier Julius Frank" wurde zu einem überregionalen Inbegriff und Henry Frank (1879 - 1931) vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnet. Die Fotografien der Franks wurden gern zur Illustrierung von Büchern genutzt, insbesondere für Werke der Heimatliteratur. Heute ist die Fotokunst der Franks weitgehend unbekannt, denn die Familie musste ihr erfolgreiches Fotoatelier aufgeben. 1936 floh Henrys Sohn – Julius Frank (junior) – aus Nazi-Deutschland, 1937 folgte ihm seine Frau Hildegard. Nach seiner Auswanderung machte Julius Frank (1907 - 1959) in Detroit erneut Karriere als Fotograf. 1949 begann er im Labor des wohl berühmtesten Architektur-Fotografen der Nachkriegszeit, Julius Shulman.

Dem Heimatverein Lilienthal ist es zu verdanken, dass die Fotokunst der Franks nicht in Vergessenheit gerät. Der Verein entdeckte 2004 alte Tagebucheinträge, wonach der Enkel des Firmengründers und dessen Frau damals nicht ins Konzentrationslager gekommen sind, sondern den Holocaust überlebt haben. Der Heimatverein nahm daraufhin Kontakt zu der Familie auf. Julius Frank verstarb 1959, aber seine Frau Hildegard und zwei Kinder waren 2006 in Lilienthal zu Besuch: "Hildegard Frank sagte bei ihrem Besuch, dass sie böse auf die Deutschen waren. Aber es ist dann 2006 in Lilienthal wirklich zu einer Aussöhnung gekommen (...). Und sie sagte: 'Ich kann mir jetzt vorstellen, wieder in Deutschland zu leben'", erinnert sich Harald Kühn vom Heimatverein Lilienthal.

Schließlich entschied die Familie, den Nachlass von Julius Frank dem Heimatverein Lilienthal und dem Focke-Museum zu überlassen. Aus den USA schickten sie eine riesige Kiste voll mit Fotos, illustrierten Büchern, Magazinen, Urkunden, Preise und persönlichen Gegenständen, darunter auch die Tora der Familie sowie zahlreiche Dokumente. Sie belegen, dass die Franks ihr Atelier in Lilienthal weit unter Wert verkaufen mussten.

Der gesamte Nachlass wurde gesichtet und unter der Leitung der Kuratorin Dr. Karin Walter zu einer Ausstellung aufbereitet, die in drei Bereiche gegliedert ist: Zu sehen sind inszenierte Porträts, spätere Architekturfotografien aus den USA, aber vor allem frühe Landschaftsmotive vom Teufelsmoor.

Julius Frank ist auch in den USA ein gefragter Fotograf, wenn es um klassische "Heimat"-Motive geht. In Amerika lichtete er Gebäude, Mode und Nationalparks ab und gewann dafür viele Preise. Auch das ist in Ausstellung zu sehen. Und ein nahezu absurdes Exponat ist dabei: Ein US-amerikanisches Magazin hatte Julius Frank gebeten, der Leserschaft schöne Urlaubsziele in Deutschland zu präsentieren. Also zeigte er in den USA Fotos seiner Heimat, aus Lilienthal und Worpswede, obwohl er wusste, dass er selbst niemals dorthin zurückkehren wird.

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